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Daoistische Lebensphilosophie Der Daoismus (Taoismus) ist die philosophische Grundeinstellung, die Tai-Chi entscheidend beeinflusst. In den Bewegungen wird auf den beständigen Wechsel von Yin und Yang geachtet. Bei Partnerübungen ist der Gedanke des Wu wei (Nicht-Handeln) wichtig. Dao (Tao) Dao (Tao) meist übersetzt mit der Weg Es ist ein Begriff aus der chinesischen Philosophie. Dao ist die Natur, die übergeordnete Gesetzmäßigkeit des Universums, die nicht erfassbare Ordnung aller sichtbaren Veränderungen, die alle Dinge dem ewigen Werden und Vergehen unterwirft. (Quelle: Taijiquan & Qigong Lexikon) Der Daoismus wurde im 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus begründet. Als sein Begründer gilt Lao-tse. Als sein Werk gilt das Dao de jing (Das Buch vom Weg und der Kraft/Tugend). Die heutige Form des Dao de jing wird auf das 4. Jahrhundert datiert. Ein weiterer großer Vertreter des Daoismus ist Djuang-tse. Auch seine Schriften werden bis heute gelesen und interpretiert. Lao-tse Lao-tse bedeutet übersetzt alter Meister. Tse bedeutet neben Meister auch Kind. Der Meister entwickelt sich im Laufe seines Lernens immer weiter in eine Art Kindheitszustand zurück. Unschuld, Reinheit und Arglosigkeit werden Teil seiner Persönlichkeit. Die Legende erzählt, dass Lao-tse als Archivar am kaiserlichen Hof arbeitete. Im Alter von 80 Jahren verließ er enttäuscht von den Menschen und der bürokratischen Ordnung sein Land. Als er die Grenze überqueren wollte, wurde er von einem Grenzposten aufgehalten. Dieser ließ Lao-tse nur passieren, wenn er all seine Weisheiten nieder schreibt. So verfasste Lao-tse das Dao de jing, das Hauptwerk der Daoisten. Lao-tse wird häufig als Gegenspieler von Kung-tse gesehen. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass sich die beiden tatsächlich persönlich kannten. Ihre Weltanschauung war in vielen Dingen sehr gegensätzlich. Die Streitgespräche zwischen Lao-tse und Kung-tse werden bis heute gelesen und interpretiert. Lao-tses Lehre geht vom Ursprung der Welt als der Wu ji (Leere) aus. Wu ji ist der Urzustand, das große Nichts, das die Quelle allen Seins ist. Das Sein ist entstanden durch die Teilung in Yin und Yang. Ein Hauptziel des Daoismus ist das Erkennen der universellen Gesetzmäßigkeiten und das Einswerden damit. Das Handeln ohne Eingreifen und Verändern (Wu wei) ist dabei höchstes Gebot. Djuang-tse Der Verfasser des Buches „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ gilt als weiterer wichtiger Begründer des philosophischen Daoismus. Heute vermutet man, dass das Buch von Djuang-tse (Zhuang zi) begonnen und später von seinen Schülern vervollständigt wurde. Djuang-tse lebte von 350 bis 275 vor Christus. Auch er gilt als Gegner des Konfuzianismus, der sich für Tradition und strikte Einhaltung von Gesetzten einsetzt. Er lebte in der Provinz Nan hua im Staate Song („Südliches Blütenland“). Vom Kaiser wurde er mit dem Titel „Wahrer Mensch vom Südlichen Blütenland“ geehrt. Dao de jing Das Buch vom Weg und der Kraft/Tugend wird Lao-tse zugeschrieben. Allerdings sind sich bis heute die Forscher nicht einig, aus welcher Zeit das Buch genau stammt. Die zeitunabhängigen Aussagen lassen keine Rückschlüsse auf die genau Datierung zu. Die Version, die wir heute kennen, stammt vermutlich aus dem 4. Jahrhundert. Man ist sich allerdings einig, dass sie die grundlegenden Lehren des Lao-tse beinhalten. Das Buch besteht aus 5000 Zeichen, 81 Kapiteln und zwei Teilen. Die enthaltene Weltanschauung ist sehr regierungs- und zeitunabhängig. Anders als in anderen Lehren wird Tugendhaftigkeit hier nicht als Einhaltung von Regeln und das Erlangen von Stärke verstanden. Moralisches Handeln zum Nutzen aller ist wichtiger als die Befolgung von Gesetzen, die von fehlbaren Menschen erdacht wurden. Zu den höchsten Tugenden gehört Schwäche, die durch das Kind, die Frau und das Wasser symbolisiert wird. Wasser wohnt an niederen Plätzen, es nützt allen Dingen. Obgleich sanft, besiegt es mit der Zeit dennoch alles Starke. Man sollte Bösem mit Güte begegnen, ebenso wie ein Heerführer oft nachgibt, um voran zu kommen. Deshalb ist Schwäche in Wirklichkeit Stärke. Das ist so, weil sie dem Dao folgt – dem Weg der Natur. (Quelle: Taijiquan & Qigong Lexikon) Yin und Yang Yin und Yang beschreiben Gegensätze wie z.B. Tag und Nacht. Wobei diese Gegensätze nicht gewertet werden im Sinne von: Eines ist positiv, das andere negativ. Vielmehr bilden beide zusammen genommen eine Einheit. Das Ende des Einen bedeutet das Ende des Anderen (z.B. gibt es ohne Nacht keinen Tag). Sie sind voneinander untrennbar. Yin und Yang leben zudem vom Wechsel. Nichts bleibt beständig Yin oder Yang. Alle Dinge unterliegen der stetig wiederkehrenden Veränderung. Das einzig Beständige ist die Veränderung. Wu wei Übersetzungen: Nicht handeln, Nichtaktivität, absichtsloses Handeln, Urzustand des Dao (Tao), Ursprung des Qi; Zustand der inneren Ruhe, des Nichteingreifens in den natürlichen Verlauf der Dinge, nicht zwingen, nicht einmischen, nicht künsteln, mit dem Strich gehen, mit dem Stoß rollen, mit der Strömung schwimmen, die Segel nach dem Wind richten. Fürs Tai-Chi bedeutet das: Einen ruhigen Geist bewahren, Zurückhaltung, Ablehnung von Kampf. Das Ziel ist Zi ran (natürlicher Lauf der Dinge, Spontanität). Parabel von der Pinie und der Weide: Der Ast der Pinie ist starr und zerbricht unter der Last des Schnees im Winter. Die Weide gibt dem Gewicht nach und lässt den Schnee abgleiten. Wichtig dabei: Die Weide ist nicht schlaff, sondern federnd. Die Anpassung an die Umstände ist das Prinzip des Wu wei. Das Leben und Handeln nach dem Prinzip des Wu wei ist in erster Linie eine Form von Intelligenz zum Verstehen (z.B. von Zusammenhängen). Das heißt, man kennt die Prinzipien, Strukturen und Neigungen menschlicher und natürlicher Dinge so gut, dass man im Umgang mit ihnen ein Minimum an Energie verbraucht. Es ist allerdings keine rein intellektuelle Intelligenz, sondern auch eine „unbewusste“ Intelligenz des ganzen Organismus und im besonderen die dem Nervensystem innewohnende Weisheit. Wu wei ist eine Verbindung dieser Weisheit mit dem Weg des geringsten Widerstandes bei allem, was man tut. Aber es ist nicht das Vermeiden von Anstrengung. |
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